szmmctag

  • wie hund und katz

    Gestern gab ich zwei neuen Beschäftigten ersten Unterricht.

    Schon als ich sie aus den Gruppen raushole fragt "Anna" entrüstet: Wie ich muss mit deeem zusammen (sie deutet auf "Ben") lernen?

    Jep mit "dem" bestätige ich und erforsche Ben´s Blick, der stur geradeaus gerichtet ist.

    Wir beginnen mit den ersten Übungen und Ben, der immer alles mit Bedacht angeht, braucht ein bisschen länger bis er mit der Aufgabe startet. Die ungeduldige Anna zeigt ihm wo er starten soll und erklärt ihm nochmal was zu tun ist. "Das weiß ich doch!" Ben klingt verärgert.

    Anna reagiert in Bruchteilen von Sekunden sehr aufgebracht. "Ich will dem doch nur helfen und der ist gleich so unfreundlich zu mir!" Ben horcht auf: Ich bin doch nicht unfreundlich!"

    Es ist, als sprächen sie unterschiedliche Sprachen.
    Ich erkläre, ich würde sie das nächste Mal je in eine andere Gruppe packen, dann müssten sie nicht mehr zusammen arbeiten. Ben guckt unglücklich. Er wollte doch gar keinen Ärger. Anna ist sich nicht sicher, ob sie dies als Tadel auffassen sollte und schaut beunruhigt drein.

    Ich erzähle eine Geschichte in der eine Katze von einer Elster bestohlen wird. Die fliegt mit ihrem Diebesgut auf einen Baum und kommt von dort nicht weg, die Beute ist zu schwer um zu weit zu fliegen. Die Katze nähert sich und klettert auf den Baum.

    "Was passiert jetzt?", frage ich die beiden. "Schreibt es auf!", bitte ich.

    Ben schrieb: Katze und Vogel wurden Freunde und teilten sich die Beute.

    Anna schrieb: Die Katze kratzte den Vogel, so dass der die Beute wieder hergab.

  • Die Lieder meines Lebens

    Ich habe einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack. Und es gibt eine Menge Lieder, die ich trillionenmal gehört habe und heiß und innig liebe.

    Aber die Auswahl die ich hier festhalten möchte, begleiten mich durch mein Leben und schaffen es immer wieder mir ein bestimmtes Lebensgefühl aus einer bestimmten Zeit wiederzugeben.

    Ich besuchte ein strengkatholisches Internat. Man durfte dort quasi nichts als Mädchen. Keine Schminke, kein Haarspray, keine kurzen Röcke, keine laute Musik, kein Ausgehen. Wir hatten eine Musiklehrerin, die ich sehr liebte, weil sie uns "flüsternd" von Zeiten berichtete, als sie als Straßenmusikerin durch die Straßen zog. Sie hörte mit uns heimlich(!) das Musical Jesus Christ Superstar, das damals noch von der Kirche verteufelt wurde, und brachte das uns gelehrte Bild von Jesus heftig ins Wanken.
    Ich liebte von der ersten Sekunde dieses Lied und es hat mich seit meinem 12 Lebensjahr nun eng begleitet. Als ich als Gesangsschülerin auf einem Schülerkonzert auftrat, sang ich es. Davon hatte ich zuvor immer geträumt. Es kommt mir so vor, als sei es "mein Lied". Wobei ich mich jetzt nicht wirklich mit dem Text an sich identifiziere, obwohl ich immer bewundert habe, dass Maria Magdalena ganz naturwüchsig davon ausging, Entscheidungsspielraum und Macht über Jesus zu haben. Das fand ich gut. ;)

    http://youtu.be/IH8XYWhtxEA

    Das nächste Lied spiegelt mir, obwohl ich wesentlich jünger bin, ein gewisses Lebensgefühl eines Teenagers, das man glaub ich nur zu alten Zeiten fühlen konnte. Ich kann die Seele des Liedes jedenfalls gut nachfühlen. Meine Liebe zum Soul ward geboren, als ich diese Stimmfarbe zum ersten Mal hörte. Sensationell! Ich lieeeeeeeeeeeeebe es! Ich mag auch Spooky von Dusty Springfield sehr.

    http://youtu.be/DjydOI4MEIw

    Erwähnt werden muss auch meine erste Platte. Ich hab dieses Lied im Radio gehört und war sofort ganz elektrisiert. Ich hab ja sooooo darauf gestanden. Und ich mag es noch heute sehr, sehr, sehr. Irgendwie untermalte es meine erste Idee von Erotik und das nicht wegen des Filmes oder des Videos (die ich damals beim Plattenkauf noch gar nicht kannte). Meine Lieblingsstelle ist: "They don´t know what love is,... but I know what love is". Was für ein Versprechen. :D

    http://youtu.be/PMTu86K-IhI

    Beim nächsten Titel mag man sich über mich wundern, deshalb folgt vorab die Erklärung. Meine Kindheit ist nicht besonders erzählenswert. Ich bin in einem winzigen Dorf groß geworden mit einem Stiefvater, den kein Film schlechter zeichnen könnte. Und dann sind wir von jetzt auf gleich in einer Nacht- und Nebelaktion geflohen. Aus dem 300-Seelenort in eine GROßSTADT. Wer kann sich dieses Gefühl vorstellen wenn man mitten in der Nacht, zum ersten Mal in seinem Leben über eine 8spurige Brücke in ein verheißungsvolles Lichtermeer fährt, welches Freiheit pur verspricht. Im Auto absolute Stille, nur dieses Lied aus dem Radio in der Ultramaxiversion. WOW.

    http://youtu.be/YkADj0TPrJA

    Ich war 16 Jahre alt. Eine Freundin war sauer auf mich. Sie war absolut davon überzeugt die Zuneigung ihres Freundes zu mir, beruhe auf Gegenseitigkeit. So war es nicht. Das hielt sie dennoch nicht davon ab, meinem Freund davon zu erzählen, dass ich ihm fremd ginge. Damit hat sie uns auseinander gebracht. Eigentlich endgültig. Aber doch haben wir uns noch einmal getroffen. Es war eine sternenklare Sommernacht. Unsere kurze Wiedervereinigung kam überraschend, doch wenn ich mir die Bedingungen für das erste Mal vorher ausgemalt hätte, dann wohl genau so. Die Umstände zumindest waren also wunderbar. Und dieses Lied (ohne das ich den Text verstanden hätte) spielte im Radio und ich fühlte mich frei.

    http://youtu.be/Y7dGdrP3pms

    Wirkliche absolute Freiheit fühle ich beim nächsten Lied. Egal wie es sich anhört, es begleitete mich intensiv bei der Entscheidungsfindung zu einer schwierigen, aber sehr notwendigen Trennung. Wieviele unzählige Male ich es in voller Lautstärke im Auto hörte und mir immer sicherer wurde. Woraufhin der atemberaubendste, wundervollste, wildeste Sommer meines Lebens folgte. Und ich bin sicher, sollte je wieder eine Trennung anstehen, dann wird es wieder meine Therapie sein.

    http://youtu.be/cJMeTmdfNWk

    Achso, dies ist kein Stöckchen, könnte aber eins sein. Was sind denn Eure Lebenslieblingslieder?

  • das leere Kinderbett

    Manche Themen begleiten mich seit ich Kinder habe:

    Das Kind weinen/nicht weinen lassen.
    Wie lange stillen?
    Das Kind zu seher pampern/verwöhnen.
    Das Kind loslassen, in neue Lebensabschnitte entlassen.
    Und das Kind im Elternbett.

    Über letzteres habe ich hier schonmal meine Meinung gepostet, aber aus gegebenen Anlass wiederhole ich mich, um meinem Herzen Luft zu machen.

    Wenn ich meinem Gegenüber erzähle, dass meine fünfjährige Tochter zumeist bei uns im Bett schläft, dann schlägt der mindestens innerlich die Hände über den Kopf zusammen. Kürzlich fragte eine Freundin entsetzt: ABER WARUM????? Ganz im Tenor: Was stimmt bei Euch nicht/was stimmt mit dem Kind nicht?

    GRRR. Liebe Miteltern, ich habe absolut, a b s o l u t vollstes Verständnis dafür, dass viele Eltern ihre Kinder lieber nicht im Bett haben, weil dann an erholsamen Schlaf kaum zu denken ist. Und ich trage auch abendlich an mein Kind heran, ob es nicht lieber in seinem Bett schlafen wolle, wo es doch schon so groß sei. Aber wenn ich das mal schärfer formuliere, steigt Flüssigkeit in die großen Augen des Kindes und es sagt, es wolle aber bei mir sein.

    Ich nehme dann mit: Es ist fünf Jahre und es braucht meine Nähe. Punkt.
    Was ich hasse, sind vorwürfliche Blicke, als würde ich dem Kind noch den Schnuller in den Mund schieben.
    Es muss doch groß werden!
    Lernen groß zu sein!
    Sagt der Erwachsene, nur um sich dann am Abend im Bett an den Partner zu kuscheln. Menschen in Partnerschaften kommen eher selten darauf, getrennt zu schlafen (außer der Partner schnarcht)... Naja, es gibt getrennte Schlafzimmer, aber eben selten. Die meisten genießen es doch neben dem Lebensgefährten zu schlafen und aufzuwachen. Und denen, die keinen Partner haben können die Nächte schonmal einsam werden oder?

    Und was genau soll jetzt erziehungstechnisch dabei herauskommen, wenn ich einem Kind diese Nähe, die wir als Erwachsene für uns einfordern und brauchen, entziehe? Wird es dann stärker? Gefeiter? Selbstständiger?
    Ich glaube ja fest daran, dass man nur dann das Leben gut durchsteht, wenn man als Kind genug Liebe tanken durfte. Dann wird man später in Krisensituationen stark sein können.

    Als ich meine Freundin (Psychologin), fragte, was genau sie denn für die Zukunft meiner Tochter befürchte, wenn sie weiter in unserem Bett schlafen dürfe, hatte sie auch keine konkrete Antwort, weil sie kennt das Kind.

    Und es liegt nicht etwa in unserer Kultur begründet, dass wir die Kinder so früh wie möglich aus dem Bett schmeißen! Denn früher war das anders. Da lagen die Kinder mit im elterlichen Bett, wenn es zu viele wurden, dann durften eben nur die jüngsten in diesen Genuss kommen.

    Je zivilisierter wir wurden, je weniger Kinder wir bekamen, desto mehr geriet auch diese Natürlichkeit aus dem Blick. Und wurde unnatürlich. Merkwürdig find ich das.

    Ich bin mit einem Inder befreundet, da war das auch so, dass die Kids selbstverständlich bei den Eltern schliefen, bis der Große mit ca. 5 Jahren sagte, er wolle im eigenen Zimmer schlafen, wie die anderen Kinder im Kindergarten. Nachts tapperte er dann aber doch noch zu den Eltern, erzählte mein Freund.
    Mein Schwager ist mit einer Thailänderin verheiratet, bei denen war es auch so. Das Kind hatte bis zum 7. Lebensjahr gar kein richtiges eigenes Zimmer. Das begann erst mit der Grundschule, dass sie ihren eigenen Raum einforderte.

    Ich behaupte, diese Kinder sind womöglich etwas ausgeglichener. Denn Fakt ist, Säuglinge, Babys, Kleinkinder werden häufig in der Nacht wach, bis zu fünfmal. Die meisten finden selbst wieder in den Schlaf. Ich behaupte in der Nähe der Eltern geht das schneller.

    Achja, und trotzdem haben die Eltern anderer Kulturen Sex. Wir nutzen das Bett halt als Schlafelegenheit. Zweisam kann man ja auch woanders sein.

    that´s it!
    manu

  • Selbstmacherei

    Bevor ich in die Küche gehe, um nach ungesunden Sachen zu fahnden, die ich in mich reinstopfen könnte, muss ich unbedingt erzählen, wie gesund ich ansonsten seit neuestem lebe.

    Ich mache den Joghurt selbst, der mittlerweile meistens gelingt.
    Ich backe Sauerteigbrot mit eigens hergestellten Sauerteigstarter, was immer besser gelingt.
    Marmelade hab ich schon immer selbst gemacht, aber ich wills trotzdem erwähnen, weils so schön passt.
    Getrocknete Tomaten, mit viel Knobi eingelegt...
    Eingelegte Gürkchen (die liegen gerade im Salzwasser, die müsst ich gleich fertig machen).

    Mein Mann sagte heute morgen zu mir, uns fehle nur noch der passende Ökohof zu meinen neuen Aktivitäten.

    Jaaa... irgendwie ist die Küche als Aufenthaltsraum doch einfach befriedigender und halswirbelschonender als vorm Lappi blöde Rechtstexte zu lesen. Oh Mann, ich hoffe es liest keine erklärte Feministin mit, die mich und meine geistigen Irrungen jetzt wohl aufs tiefste bedauern täte.

    Nun denn...
    manu

  • Das Lernen

    fällt mir mal wieder schwer...

    Ich verstehe die Fragen nicht in ihrem gesamten Umfang und so bietet die Entscheidung in welchen themenrelevanten Sachbüchern ich nach welchen Antworten suchen soll, größtes Verzweiflungspotential.
    Also lese ich wahllos empfohlene Texte und denke mir an der ein oder anderen Stelle: vielleicht könnte dies eine mögliche Lösung sein? Dann gleiche ich ab... aber in der Zeit in der ich zwischen den Seiten blättere habe ich schon längst vergessen, was ich gerade zuvor noch gelesen hatte.

    Nur langsam und mühsam erschließt sich mir, was gemeint sein könnte.

    Mittlerweile habe ich gelernt, so ist der Anfang halt immer (bei mir). Meine heruntergefahrenen Synapsen kommen nur schleppend in Gang. Es ist als fangen sie langsam an zu flackern, immer nur kurz ein klitzekleines bisschen. An Schaltungen ist noch lange nicht zu denken. Wenn ich jetzt diszipliniert am Ball bleibe, dann wird aus dem flackernde Licht ein zarter Schein und irgendwann nach zwei Wochen finden die ersten Verknüpfungen statt. Ich verarbeite, ich begreife endlich, richtiggehende Vernetzungen entstehen, bzw. könnten entstehen, wenn mir mehr Zeit gegeben wäre. Aber der Abgabetermin zwingt mich vorab abzubrechen.
    Dann fährt das System runter und muss sich erst wieder mühsam mit einer neuen Thematik anfreunden.

    Mein Nacken tut weh und meine Disziplin muss ich erst suchen gehen. Vielleicht finde ich sie ja in der Küche.
    Machts gut.
    Manu.

  • possierlich

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    Na? Wer weiß, um welches Tier es sich hier handelt? :D

    Ich gebe ein paar Tipps: Es ist uns auf einer Städtereise begegnet, mitten in der Innenstadt. Es ist nur in dieser bestimmten Stadt aufzufinden, zumindest in dieser Population. Es ist freundlich und zahm und frisst Karotten auch gerne aus der Hand. Sein Fell ist erstaunlich weich.

    Das Tier, dass ich da fotographierte, war noch jung. Die Eltern sind ziemlich groß. Als ich ein ausgewachsenes, gut gefüttertes Tier (von einem Restaurant aus, das am städtischen Flüsschen lag) zum ersten Mal sah, ist mir die Gabel aus der Hand gefallen. Ich sprang vom Platz auf und rief "GUCK MAL DAAAAAAAA" und suchte nach dem rechtem Wort. Ich glaubte, ein Miniaturnilpferd lässt sich gerade zu Wasser. Die anderen einheimischen Gäste grinsten nur. Sind sie doch an den Anblick schon seit über 60 Jahren gewohnt. Dieses Exemplar das ich sah, wog garantiert 20 kg.

    Wisst Ihrs?

  • Plastikfrei

    Meine Blogfreundin Milla begeht einen plastikfreien Juli und wirkt mit ihrer Überzeugung und Enthusiasmus auf mich sehr ansteckend.

    So gehe ich jetzt auch mit aufmerksamen Augen durch den Supermarkt und versuche Plastikumverpackungen zu vermeiden, wo es denn möglich ist. Das ist ne ganz schön spannende Aufgabe eigentlich. Wer schafft es soviel Plastik wie möglich zu vermeiden, was kaum geht (Stichwort Toilettenpapier)?

    Nun, jetzt ist es so, meine Kids lieben Joghurt... Joghurt im Glas ist mir aber zu teuer (bei dem Konsum). Also lasse ich gerade jetzt allen Ernstes selbstangerührten Joghurt in der Küche vor sich hin gedeihen, in der Hoffnung um 23.00 Uhr Joghurt der schmackhaft ist gezaubert zu haben.

    Das Rezept ist denkbar einfach. ein Liter H-Milch (Frischmilch muss man auf 94 Grad erhitzen!) mit 1-2 Löffeln stichfesten Joghurt und selbstgemachte Erdbeermarmelade bspw. in Einmachgläser füllen. Diese hält man dann sechs Stunden auf 45 Grad warm und dann hätte man eigenen Joghurt. Nun ich werde sehen!

    Ich habe heute anstatt zu lernen zwei Stunden lang nach Joghurtaufbereiter gesucht. Aber keiner kommt ohne Plastik aus, was für ein Gerät das man dauerhaft behält vielleicht auch nicht so wichtig ist. Aaaaber ich will eins ohne Strombedarf haben, weil ich es nicht nachts angeschlossen haben will unbeaufsichtigt. Die Geräte ohne Strom sollen toll sein, die Behältnisse sind aber aus Plastik und auf 45 Grad erhitzt geben die glaub ich alles mögliche an den Joghurt ab. Aber wenn ich mir schon die Mühe mache soll es auch gesund sein.

    Also habe ich nun Einmachgläser genommen die ich im warmen Wasserbad warm halte... die Kunst wird jetzt sein, das Wasser auf 45 Grad zu lassen. Schwierig. Noch so ne aufwendige Quest. Aber irgendwie macht es Spaß.

    Ich werde dann berichten.

  • Mein Gauchos-Kommentar

    Sehr verspätet hab ich mir den soviel Empörung verursachenden Gauchos-Auftritt der Deutschen angesehen.

    Ich habe in meinem Urlaub viel darüber gelesen, in der Presse und in Kommentaren, und habe mich vorab sehr geschämt für die deutsche Mannschaft, für uns, dass die Siegesfeier so niveaulos gewesen sein muss. Und jetzt sah ich den Auftritt selbst und ich bin frustriert.

    Und zwar nicht deswegen weil da ein paar Jungs sich auf Kosten Anderer feiern. Geschmacklos und daneben?
    Kann man so sehen. Ich verstehe die Ansicht, denn zuerst befürchtete ich nach all den Kommentaren eine höhere Geschmacklosigkeit, die mein mitfiebernd erlangtes Glück nach dem Sieg extrem schmälerte. Aber jetzt, nachdem ich den Auftritt sah, finde ich den Anspruch des Deutschen nach einem makelosen Benehmen nach Außen eher als altlastende Fessel.

    Denn mal ehrlich, ich denke Fußball spricht jetzt nicht unbedingt unseren Intellekt an oder? Es geht nicht um Politik und eine höhere Botschaft, sondern um "Gemeinschaft und potentierten Spaß" (Zitat von Dr.Allwissend). Und den größten Spaß hat man nicht unbedingt, achtet man ständig auf political correctness. Ich musste nach all meiner innerlichen Aufregung und Mitempörung dann ja auch tatsächlich insgeheim grinsen, weil ich das Ganze gar nicht so schlimm fand und diese Kerls so einen Spaß hatten.

    Klar, ich bin wohlerzogen und hätte mich nicht so gefeiert, außer man hätte mich vorher gehörig abgefüllt und es hätte keine Kameras gegeben, denn irgendwie ist es halt so, Sieger verhöhnen die Verlierer, auch in der engsten Familie. Ich tanze durchaus mal herum, wenn ich meine Tochter bei einem Wettkampf besiege und rufe: Verloren Verloren Verloren... Nääänäääänääää!!!! (nicht besonders fein, aber spaßig) und natürlich ist mein Tanz nichts gegen ihr Siegesgegröle.
    Das gehört zum einseitigen Spaß des Wettkampfes. Und ich finde es tatsächlich schön, wie frei und unsteif und unbefangen die Nationalmannschaft sich präsentierte. Als holten wir mit den Jahren (2006 fing es ja an) langsam Luft und ließen eben erstmals Nationalstolz zu. Und der ist schön, sorgt er doch für Zusammenhalt und ein Wirgefühl, was wir so bitter nötig haben. Fakt ist, ansonsten ist Nationalstolz gelebt eher brisant und grenzwertig. Weil er mit Abgrenzung zu anderen Nationen zu tun hat. Das ist furchtbar und kann viel Ungutes mit sich bringen, aaaber ich glaube, das Positive dieses Gefühl ist das was unsere Kinder wieder erleben dürfen sollten, nachdem vier Generationen aussetzen mussten. So sprang die fünfjährige Tochter am Folgetag glücklich hüpfend am Strand herum und schrie: Wir haben gewonnen! Das war mir gleich mehrperspektivisch sehr peinlich, aber ich mahnte mich selbst nichts dazu zu sagen.

    Die Argentinier erinnern uns jetzt daran, dass wir ganz offensichtlich immer noch Nazis sind.

    Wisst Ihr, dass vor der Übertragung des Finalspieles in Norwegen eine halbe Stunde lang Szenen aus dem ersten Weltkrieg gezeigt wurden, in denen Deutsche irgendwelche Ziele zerstörten? Wir schreiben das Jahr 2014 und Norwegen fühlt sich verpflichtet das eigene Volk an die dunkle Vergangenheit Deutschlands zu erinnern, vor einem Fußballspiel!!!

    Maradonna kommentierte (vor dem Gauchogesang) irgendwas in der Art, dass es kein Vorbeikommen an den deutschen Panzern gab. Die Italiener (Bernasconi lässt ja keine Gelegenheit aus) kommentieren ständig solche Dinge, die Griechen...

    Eigentlich find ich es aus dieser Perspektive zwar nicht dienlich, nicht besonders fein, aber aus einem kindlichen Trotz heraus sogar klasse, dass Niemand diesen blöden Gauchoeinmarsch verhindert hat.

    Ich finde längst muss man sich befreien von dieser Schuldlast und vielleicht passiert es bezogen auf die uns nicht verzeihenden anderen Nationen nur dann, wenn wir beginnen uns normal zu verhalten. Und Niveau hin oder her. Ich glaube das war ziemlich (fast schon erfrischend) normal.

    so thats it.
    manu

  • Das Zwiebelchen

    Meine Mutter erzählte mir, als ich im Kindergartenalter war, die Geschichte. Sie handelt von einer sehr geizigen alten Frau, die in ihrem Leben nichts anderes hergegeben hatte, als einmal unter Murren ein Zwiebelchen.
    Als sie starb, kam sie in die Hölle.
    Ein Engelchen sah sie dort und erinnerte sich daran, dass sie doch einmal etwas geschenkt hätte und deshalb die Hölle nicht verdiente. Das sah Gott ein und schickte das Engelchen mit dem Zwiebelchen in die Hölle um die alte Frau daraus zu erlösen.
    Das Engelchen hielt die Zwiebel hin, die Alte griff danach und so wurde sie langsam hochgezogen. Alle anderen neben ihr versuchten auch den Flammen zu entkommen und hielten sich an ihr fest um mit herausgezogen zu werden, aus dem Elend. Sie klammerten sich an Arme und Beine. Das Engelchen zog und zog und hatte Schwierigkeiten. Das bemerkte die Alte ängstlich und schrie laut: LASST LOS, DAS IST MEINE ZWIEBEL!
    Das Engelchen erstarrte kurz und ließ dann die Zwiebel los und die geizige Frau zurück in die Hölle fallen.

    Ich fand die Geschichte blöd. Aber warum auch immer, sie hat sich mir zutiefst eingeprägt... Meine Mutter muss eine empfängliche Phase während meiner Moralbildung getroffen haben.

    Jedenfalls habe ich immer geteilt, damit hatte ich nie ein Problem. Ich gebe gerne, auch meine letzte Erdbeere oder was weiß ich, worauf ich gerade selber Lust habe. Weil auch die Erfahrung mich lehrte, dass egal was ich jemand Anderem gebe, es mich nicht schmerzt. Ich verliere dadurch nicht. Nein, das ist ja mein Weg in den Himmel. :crazy:

    Tatsächlich hätte ich, bzw. meine kindliche Seele, ja viel zu viel Angst, dass es mir am Ende wie der geizigen Frau ergeht.
    Und jetzt komme ich zu dem Punkt.
    Ich war am Samstag auf dem Markt und habe für 3 Euro zwei Pfund Erdbeeren (leider in Plastikschalen Milla) erstanden.
    Ein Paar der Erdbeeren kullerten durch den unsanften Transport meiner Tochter in der Tüte (schon wieder Plastik *seufz*) umher.
    Wir gingen an einem Bettler vorbei der sehnsüchtig auf die Erdbeeren schaute. Und ich? Was mach ich? Ich halte ihm die teilweise matschigen Erdbeeren die ich gerade herausgeholt hatte (ich hätte sie sonst selbst gegessen) hin und er nickte. Also legte ich sie in seine Hand.

    Wir gingen weiter und meine Tochter schimpfte mit mir, warum ich ihm die matschigen gegeben und nicht gleich mehr gegeben habe. Ich überlegte kurz und meinte, dass sie ihm ja das eine Schälchen bringen könnte. Ja das mache sie, sagte sie spontan.
    Wir waren inzwischen aber schon viel weiter gegangen, standen in der heißen Sonne, ich war müde und sie durch die Menschenmenge allein zurückzuschicken schien mir... Naja, wir sind weitergegangen.

    Das kostete mich jetzt fast zwei schlaflose Nächte. Und noch weitere... denn dadurch, dass ich gestern nicht dazu kam aus einem Schälchen, dass wir nicht aufgegessen hatte noch Marmelade zu kochen, musste ich die schon gegärten Erdbeeren heute wegwerfen. Die Erdbeeren, die der alte Herr gestern bestimmt megagerne gegessen hätte.

    Ich komme um vor schlechtem Gewissen. Und ich nehme mir vor, nächste Woche ihm etwas anderes zu kaufen dafür. Als Wiedergutmachung.

    Das bringt mich auf den Gedanken: Bin ich ein guter Mensch? Weil ich (zumindest meist) immer brav meine "Zwiebelchen" hergebe.
    Nein, das bin ich nicht. Überhaupt nicht. Ich bin angepasst, versuche Niemanden zu verletzen, aber was tue ich für Fremde? Für die Gesellschaft? Nichts. Vielleicht gerade ein bisschen evtl. durch mein Praktikum, zumindest habe ich das Gefühl. Aber sonst irgendwas Erwähnenswertes? Mehr also ein Zwiebelchen? Nichts.

    Shit! Ich hoffe ich kann das spätestens in vier Jahren ändern. Wirklich.

  • weg mit Löw

    Wir werden Weltmeister und Jogi wird gehen. Denn ich sehe schon die Schlagzeile der deutschen Presse.

    "Wackeliges Deutschland im Finale! Nur knapper Sieg!
    Im folgenden Artikel wird dann analysiert und bewertet und nochmal aufgerollt, dass wir sowieso nur ins Finale reingestolpert sind und allen nur-Weltmeisterschaftgucker, also Fußballlaiendeutschen wird damit vermittelt, dass wir konkret im Finalspiel nur Dank verschiedenster Fehlentscheidungen oder Fehlleistungen der gegnerischen Mannschaft völlig unverdient gewonnen haben... uns wird klar sein, dass wir viel besser abgeschnitten hätten, wäre da Löws Inkompetenz nicht.
    Naja, zugegeben etwas viel Besseres als den Sieg gibts ja nicht, aber wenn eine Nation heraus hat, auch diesen in Frage zu stellen, dann ist das wohl Deutschland.

    Ich bin eine erklärte nur-Meisterschaftguckerin. Das liegt daran, dass Fußball nicht mein Sport ist. Nur wenn es um Etwas geht, überstehe ich die Längen und die damit verbundene Langeweile in einem Spiel. Diese ist aber eigentlich bei einer EM oder WM selten gegeben. Denn die Spieler spielen mit Leidenschaft. Und das ist das was ich mag. Die wollen gewinnen und geben dafür alles. Es liegt in der Natur des Menschen, dass es ihm Spaß macht diesem Streben zuzusehen.

    Der Druck den die Spieler und ihre Trainer bei diesen Spielen aushalten müssen, ist aus meiner Sicht unfassbar. Dies kann ihnen nur gelingen, wenn sie mit ihrem ganzen Herzen dabei sind.
    Und mich nervt, dass wir Mitfiebernden, bzw. unsere Sprecher, also die Journalisten, jeden Fehltritt eines jeden Spielers kommentieren und böse ankreiden. Wir vergessen, dass das keine gutbezahlten Roboter sind, sondern Menschen mit ner riesigen Belastung auf den Schultern, umkreist von 51 Kameras und dann auch noch zudem von der gegnerischen Mannschaft, die dummerweise auch gewinnen will und womöglich sich dabei nicht mal blöd anstellt.

    Nach jedem verdammten mühsam errungenen Sieg müssen sich die Jungs Sekunden später unseren nörgelnden Fragen stellen, warum es denn nur so knapp gepasst hat und "wir" so schlecht waren? Die Spieler sind so erschöpft, dass sie vermutlich dem Reporter am liebsten vor die Füße brechen würden. (Naja, wenn ich überlege, was die verdienen, dann dürfen die auch mal erschöpft sein)... aber es ist dennoch unglaublich ärgerlich. Und sowas von typisch deutsch.

    Und mal ehrlich, die meisten euphorisierten Fans beim Public Viewing interessiert nicht, welche Taktiken aufgegangen sind und welche nicht, wenn wir doch am Ende gewonnen haben. Und egal wie sehr das die wahren Fußballfans abschreckt, auch für uns spielt diese Mannschaft, das behaupten sie jedenfalls ständig.

    DESWEGEN WILL ICH DIESE MIESMACHEREI NICHT!
    UND ICH MAG LÖW. Ich habe keine Ahnung von dem Aufgehen seiner Taktiken, aber in der Tat, diese Mannschaft ist flexibel, das kriege sogar ich mit. Und warum ich ihn mag? Ich glaube, dass er Teamgeist schafft. Und am Ende gewinnt man genau damit.
    Und die Mannschaft zieht von Sieg zu Sieg. Es sind nicht immer diese Spiele des Märchensommers, den wir alle erlebt haben, aaaaber das lässt sich ja auch nicht wiederholen. Und gewonnen hatten wir damals am Ende trotzdem nicht. Aber es war schön.

    Diesmal wird jede Leistung so miesgemacht. Selbst Müllers Stern sinkt schon wieder in der Presse. Unfassbar. Da kann man laufen was man will, wenn man kein Glück hat, ist man wieder unten durch.

    Dabei ist doch gerade das, dass so schön nervenaufreibende am Fußball, dass man auch Glück haben muss und dass da eben Menschen spielen die Fehler machen, dass Deutschland eben nur genau dann einen Treffer macht, wenn beides zusammenfällt. Das ist doch das Ding! Das Spannende! Und die Presse formuliert es als Vorwurf.

    Ich will sagen, ich find unser Team klasse, freu mich auf die Chancen, die ja nun gar nicht so gering sind gegen Brasilien (aber ja auch nur weil zwei Klassespieler (einer dramatischerweise) wegfallen, ist klar, wird also wieder völlig unverdient sein). Hier meine Vorabverteidigung, dass eine Mannschaft nicht durch das Fehlen einzelner Spieler zusammenbrechen darf. Unsere tut es auch nicht. Behaupte ich jetzt überzeugt.

    Ich glaube übrigens, dass es so ist wie es ist, weil wir uns den Fußball so zu eigen machen in dieser Zeit. Und was uns zu eigen ist, das behandeln wir so, wie wir uns behandeln. Will sagen, wir sind auch auf uns bezogen viel zu kritisch. Alles was wir erreichen ist nicht gut genug, nicht perfekt genug, nur durch Zufall erlangt, damit haben wir es nicht verdient. Das ist soooo deutsch.
    Deswegen erwarten wir von anderen übermenschliche Leistung. Nur die können wir anhimmeln.
    Nicht sehr sympathisch finde ich.

    Sooo nachdem ich das losgeworden bin, wünsche ich Euch schonmal einen schönen Dienstag (und ich überlege ob ich den Kommentator vorher ausstelle). ;)

    manu

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